Epigenetisches Alter bestimmen und das biologische Alter

Epigenetik:

Das verraten die Gene über unser wahres, also unser biologisches Alter

Sie fühlen sich wirklich nicht so alt, wie Sie sind? Und auch der Blick in den Spiegel lässt an der Anzahl der verflossenen Lebensjahre zweifeln? Vorsicht: Der Schein könnte trügen. Denn die Zahl der Lebensjahre, also unser sogenanntes kalendarisches Alter, sagt wenig über unser biologisches Alter aus, also darüber, wie „alt“ unser Körper im Hinblick auf den Stoffwechsel und die weiteren Funktionen tatsächlich ist. Mit modernen biologischen Alterstests lässt sich jedoch inzwischen herausfinden, ob man tatsächlich so jung ist, wie man sich fühlt. Denn unsere Gene verraten viel über unseren individuellen Alterungsprozess.

Es ist ein bekanntes Phänomen, dass mancher 65-Jährige in seiner körperlichen Leistungsfähigkeit erheblich eingeschränkt ist, regelmäßig krank und kaum mehr mobil ist, während andere Menschen im gleichen Alter „fit wie ein Turnschuh“ sind, regelmäßig sportlich aktiv sind und mit viel Freude am Leben Weltreisen machen. Der Unterschied zwischen den beiden „Lebenskünstlern“ liegt in ihrem Lebensstil, wie belastet sie beruflich und familiär waren, ihre Ernährung und wieviel Sport sie betrieben haben. Aber auch die genetische Ausstattung der Zellen unserer Körper ist maßgeblich mitentscheidend dafür, wie und wie rasch Menschen altern.

Chronologisches versus biologisches Alter

Wissenschaftler haben daher die Begriffe des chronologischen oder kalendarischen Alters, sowie des biologischen Alters geprägt. Das chronologische Alter eines Menschen ist entsprechend der Definition des deutsch-amerikanischen Alterungsforschers Steve Horvath eine reine Zeitangabe. Es bemisst die Zeit, die seit der Geburt des jeweiligen Individuums wirklich vergangen ist.

Anders das biologische Alter: Dieser Begriff charakterisiert das Alter einer Person gemessen an deren körperlichem Zustand. Das biologische Alter muss dabei keineswegs mit dem chronologischen Alter übereinstimmen, sondern kann weniger, aber auch weiter fortgeschritten sein.

Dabei laufen Alterungsprozesse in den verschiedenen Lebensabschnitten unterschiedlich schnell ab: Zum Beispiel tickt die „biologische Uhr“ in der Wachstums- und Entwicklungsphase generell schneller als im späteren Leben. Sie wird dabei nachhaltig beeinflusst durch die Entwicklung von Krankheiten.

Viele Faktoren bestimmen das biologische Alter

Davon abgesehen basiert das biologische Alter auf Veränderungen unseres Körpers, die im Laufe des Lebens auftreten. Der Alterungsprozess beeinflusst viele Körperbereiche bis hinein in die unzähligen Körperzellen. Er führt zur Anhäufung nicht abbaubarer Stoffwechselprodukte in den Körperzellen und oft auch zu einem Mangel an Substanzen, die für eine adäquate Energiebereitstellung in den Zellen und damit für einen optimalen Stoffwechsel erforderlich sind.

Solche alterstypischen Veränderungen des Körpers werden von vielen Faktoren beeinflusst. Dazu gehört unser Lebensstil in Bezug auf Ernährung, Sport, Rauchen, Gesundheit…, aber auch unsere genetische Ausstattung.

Bestimmung des biologischen Alters

Während sich das chronologische Alter einfach anhand eines Kalenders errechnen lässt, ist das biologische Alter schwieriger zu erfassen. Inzwischen gibt es biologische Alterstests, die anhand charakteristischer Parameter, sogenannter Biomarker, eine gute Altersabschätzung erlauben.

Das Augenmerk richtet sich dabei auf genetische Veränderungen im Zuge unserer Alterung. Dabei stehen nicht die Gene, mit denen wir auf die Welt kommen im Fokus, sondern die sogenannten epigenetischen Veränderungen. Es handelt sich bei der Epigenetik um einen Fachbereich, der konkret untersucht, durch welche Faktoren die Aktivität unserer Gene gesteuert wird. Das können verschiedenste Faktoren, wie etwa chemische Moleküle oder Proteine sein, die sich an unsere Erbanlagen anheften und durch diese Bindung die Genfunktion im jeweiligen Bereich modulieren. Durch solche Faktoren können Gene quasi an- und abgeschaltet werden, ohne dass dabei die genetische Grundsubstanz, also die DNA (Desoxyribonukleinsäure), verändert wird.

Was hat die Epigenetik mit einer DVD zu tun?

Ein Beispiel: Zu den häufigen epigenetischen Veränderungen gehört die Bindung einer chemischen Struktur, der sogenannten Methylgruppe, an die DNA. Der Wissenschaftler bezeichnet diesen Prozess als DNA-Methylierung. Er kann durch Umweltfaktoren wie etwa die Ernährung, aber auch durch Reparaturprozesse bei Veränderungen im Bereich der DNA stimuliert werden.

Was dabei konkret geschieht, hat der australische Biologe und Genetiker Professor Dr. David Sinclair anschaulich geschildert, indem er das Phänomen mit einer CD oder DVD verglichen hat. Auf der CD oder DVD sind analog der DNA in den Körperzellen konkrete Informationen gespeichert. Kommt es zu Kratzern auf dem Informationsträger, so wird dieser verändert, ohne dass die eigentliche Information verloren geht. Aber diese ist möglicherweise nicht mehr unverändert abrufbar, statt angenehmer Musik ertönt ein unangenehmes Knacken oder Rauschen.

Ähnlich verhält es sich bei der DNA-Methylierung. Die Gene sind in den Zellen unverändert vorhanden, können aber ihrer Funktion nicht mehr optimal nachkommen. Im Verlaufe des Alterns häufen sich üblicherweise die DNA-Methylierungen, die „Kratzer“ auf den Genen nehmen damit zu. Es häufen sich so auch Bereiche, in denen Gene bestimmte Körperfunktionen nicht mehr optimal steuern können. Das kann zwangsläufig Störungen im Stoffwechselablauf und auch Veränderungen in den Körpergeweben zur Folge haben und somit auch optisch, zum Beispiel in Form von Falten in der Haut, sichtbar werden.

Die DNA-Methylierung ist somit ein Marker für den individuellen Alterungsprozess des Menschen. Sie zeigt, wo genau der Zeiger in der „epigenetischen Uhr“ steht.

Doch die DNA-Methylierung ist wahrscheinlich noch weit mehr als ein Maß des biologischen Alters. Der Prozess scheint auch wichtige Funktionen zu besitzen. Er ist, so wird es aktuell diskutiert, Ausdruck eines epigenetischen Wartungssystems, das dafür sorgt, dass unser Genom stabil bleibt. Durch die DNA-Methylierung kann dabei wahrscheinlich verhindert werden, dass Schadstoffe direkt Veränderungen (Mutationen) im Bereich der DNA verursachen und so die Entstehung von Krebs beeinflussen können.

Testverfahren zur Bestimmung der DNA-Methylierung

Wie es bei einem individuellen Menschen um die DNA-Methylierung steht, kann mittels spezieller Labortests untersucht werden. Sie prüfen anhand von Blutproben den Methylierungsgrad des Genoms in bestimmten Regionen der DNA. Dabei werden spezielle DNA-Methylierungsmuster untersucht. Diese können sich im Laufe des Lebens verändern und es gibt charakteristische Methylierungsstellen, die offenbar als „epigenetische Uhr“ fungieren und deren Untersuchung eine Abschätzung des biologischen Alters erlaubt.

Mit einem speziellen biologischen Alterstest lassen sich die DNA-Muster bestimmen. Das individuell ermittelte DNA-Methylierungsprofil kann dann mit den üblichen Ergebnissen bei Personen der gleichen chronologischen Altersgruppe verglichen werden und zeigt, ob das biologische Alter der jeweiligen Person damit korreliert oder ob diese aus biologischer Sicht jünger oder älter einzuordnen ist.

Zusätzlich kann der biologische Alterstest Hinweise auf das Risiko für die Entwicklung alters-assoziierter Krankheiten geben. Auch können Maßnahmen, die das Altern aufhalten sollen, in ihrer Effektivität überwacht werden.

Der epigenetische Test kann als Selbsttest zu Hause durchgeführt werden. Dazu ist ähnlich wie beim Blutzuckertest einfach die Entnahme von ein wenig Blut aus der Fingerkuppe notwendig. Anhand des Testergebnisses ist das biologische Alter abzuschätzen und es können gezielte Maßnahmen erwogen werden, um den Alterungsprozess möglichst aufzuhalten.

Was können Sie tun um Ihr biologisches Alter positiv zu beeinflussen?

  • gesunde Ernährung
  • genug Schlaf und Erholung
  • kein Nikotin oder übermäßigen Alkoholkonsum 
  • genügend Sport und Bewegung 

Sprechen Sie gerne auch mit unseren Experten und Erfahren Sie die aktuellsten Entwicklungen der Altersforschung. Mit unserer kostenfreien Beratungshotline haben wir für Interessierte wie Sie es sind eine tolle Möglichkeit zur Interaktion gegeben. Nutzen Sie die Möglichkeit mehr über Gesundheit, Epigenetik und Ihrem echten biologischen Alter zu erfahren. Buchen Sie jetzt unter folgendem Link einen Termin mit unseren Experten:

Jetzt kostenlose Erstberatung sichern 

Quellen:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4015143/ 03.11.2020, 17.35 Uhr

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29643443/ 03.11.2020, 17.36 Uhr

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5940111/ 03.11.2020, 17.37 Uhr

 

Haben Sie noch mehr Fragen? Wir beantworten Sie gerne. Jetzt kostenlose Erstberatung buchen!
Jetzt kostenlose Beratung buchen

Hinterlasse einen Kommentar

Alle Kommentare werden vor der Veröffentlichung moderiert